NARM (Neuro Affective Relational Model)

Arbeit mit Bindungswunden und Bindungstraumen

Das Neuroaffektive Beziehungsmodell NARM stellt therapeutische Werkzeuge zur Verfügung, um die natürlich in uns angelegte Bindungsfähigkeit wieder herzustellen. Wenn die natürlichen Impulse des Kindes von den Eltern oder Bezugspersonen nicht angemessen beantwortet wurden, entstehen Bindungsmuster, die eher auf dem Überleben beruhen als auf einer gesunden Bindung. Zu einer gesunden Bindung gehören Kontakt, Einstimmung, Vertrauen, Autonomie Liebe und Sexualität.

Mit der NARM-Methode kann erforscht werden, was einer gesunden und befriedigenden erwachsenen Bindung im Wege steht. Dabei können Verletzungen aus frühen Bindungswunden verarbeitet werden und Sie lernen Bindungen neu und erfüllend zu gestalten.

Ressourcenorientierter Ansatz
Das NARM-Modell ist ein integrierter Ansatz mit therapeutischer Ausrichtung auf das Nervensystem und die Beziehungsebene. Es ermöglicht entwicklungspsychologisch sinnvolle klinische Interventionen, die auf achtsamer Beobachtung körperlicher Phänomene und auf Ressourcenorientierung basieren.
Klienten werden dabei unterstützt, mit den Anteilen in sich in Kontakt zu kommen, die einwandfrei funktionieren. Über diesen Weg werden Organisation und Kohärenz auch in jene Anteile gebracht, deren Funktion gestört ist – jedoch ohne diese regredierten, dysfunktionalen Elemente zum Hauptgegenstand der Therapie zu machen. Die Selbstregulierungskräfte des Nervensystems werden so nachhaltig verankert.

Fünf organisierende Entwicklungsthemen
Es gibt fünf zentrale Ressourcen und mit ihnen verbundene entwicklungspsychologische Lebensthemen, die sich darauf auswirken, wie gut es uns gelingt, im Hier und Jetzt gut bei uns selbst und in Kontakt mit anderen zu sein:

  • Kontakt. Wir haben das Gefühl, auf diese Welt zu gehören. Wir sind in Kontakt mit unserem Körper und unseren Gefühlen und sind zu durchgängigen Beziehungen zu anderen imstande.
  • Bedürfnisse. Wir wissen, was wir brauchen, und sind in der Lage auf andere zuzugehen, wenn wir ihre Fürsorge und Zuwendung von ihnen brauchen. Wir können uns an der reichen Fülle des Lebens erfreuen.
  • Vertrauen. Wir haben ein inhärentes Selbstvertrauen und Zutrauen zu anderen. Wir fühlen uns sicher genug, um gesunde wechselseitige Abhängigkeitsverhältnisse mit anderen zu erlauben und uns auf sie zu verlassen.
  • Autonomie. Wir können Nein sagen und anderen gegenüber klare Grenzen setzen. Wir sagen, was wir denken, ohne dabei von Schuldgefühlen oder Angst geplagt zu sein.
  • Liebe. Unser Herz ist offen und unser Nervensystem im Gleichgewicht, was liebevolle Beziehungen und eine gesunde Sexualität unterstützt.

In dem Umfang, in dem diese fünf  Grundbedürfnisse erfüllt sind, bleiben wir im Fluss und in gutem Kontakt mit uns selbst. Wir begegnen unserem Umfeld mit einem Gefühl der Sicherheit und mit Vertrauen. Wir haben das Gefühl, innerlich im Lot zu sein, und erleben eine gewisse Ausdehnung. In dem Maße, wie für diese Grundbedürfnisse nicht gesorgt ist, entwickeln wir bestimmte Überlebensstrategien, um den fehlenden Kontakt und die gestörte Regulierung zu bewältigen.

Auftakt zu einem fundamentalen Umdenken
Während in der psychodynamisch ausgerichteten Psychotherapie vieles auf das Erkennen von Pathologischem ausgerichtet war und ein starker Fokus auf Problemen lag, ist NARM ein Modell für Therapie und persönliches Wachstum, bei dem vorhandene Stärken ebenso im Blickpunkt der Arbeit stehen wie Symptome.

NARM lenkt den Blick auf vorhandene innere und äußere Ressourcen, um die Ausbildung einer zunehmenden Selbstregulierungsfähigkeit zu unterstützen.
So unüberschaubar die Bandbreite physischer und emotionaler Symptome wirken mag – als Kern der meisten psychologischen und vieler physiologischer Probleme lässt sich immer wieder eine Störung im Hinblick auf eines oder mehrere organisierende Themen in Verbindung mit diesen fünf Überlebensstrategien beobachten.

Anfänglich stellen diese Überlebensstrategien eine geglückte Anpassung an bestehende Gegebenheiten dar – sie sind nicht etwa pathologisch, sondern stehen für Erfolge. Da unser Gehirn jedoch auf Vergangenes zurückgreift, um die Zukunft zu prognostizieren, bleiben diese Überlebensstrategien fest in unserem Nervensystem und unserer Identität gespeichert. Überdauern sie jedoch auch noch dann, wenn sie keinen Nutzen mehr haben, so stören sie dauerhaft den Kontakt zu sich selbst und zur eigenen Umgebung. Der Fortbestand von Überlebensstrategien, die in der Vergangenheit einmal angemessen waren, bewirkt dann eine Verzerrung des aktuellen Erlebens in Verbindung mit den entsprechenden Symptomen.

Bei NARM ruht der Focus weniger darauf, warum jemand ist, wie er ist, und mehr auf der Frage, wie seine Überlebensstrategie sein Erleben des derzeitigen Moments verzerrt. Damit soll nicht gesagt werden, dass das Warum der persönlichen Lebensgeschichte grundsätzlich nicht in den Prozess eingebunden wird. Nachzuvollziehen, wie bestimmte Muster begannen, ist für Klienten durchaus hilfreich und wichtig, soweit es sich auf das Erleben der Gegenwart auswirkt.

Der Metaprozess
In jeder therapeutischen Tradition steckt ein impliziter Metaprozess. Der Metaprozess lehrt Klienten, bestimmte Elemente ihres Erlebens besonders zu beachten und andere zu ignorieren. Konzentrieren sich Therapien auf Defizite, Schmerz und Fehlfunktionen, bekommen Klienten Routine darin, sich auf Defizite, Schmerz und Fehlfunktionen zu konzentrieren. Analog hierzu reduziert eine Ausrichtung auf die Schwierigkeiten der Vergangenheit nicht in hinreichendem Maße Fehlfunktionen und verbessert auch nicht die Selbstregulierung.
Der Metaprozess für das NARM-Modell besteht in achtsamer Selbstbeobachtung im gegenwärtigen Moment.